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Alltagsheldin Anke Leidenberger

Leben ist jetzt
Für Anke Leidenberger stand nach ihrer Parkinson-Diagnose fest, dass Aufgeben keine Option ist. Vielmehr entschied sich die Sozialpädagogin und Mutter eines Sohnes, mit Zuversicht und Vertrauen nach vorne zu schauen.
Sport gibt ihr Kraft, Lebensfreude und das Gefühl, selbst etwas tun zu können. Tischtennis ist ihre große Leidenschaft. Sie leitet den PingPongParkinson-Stützpunkt Dietersheim und engagiert sich bei PingPongPowerfrauen dafür, Parkinson ein weibliches Gesicht zu geben.
Was ist dein Mutmach-Motto für dein Leben mit Parkinson?
Aufgeben ist keine Option. Mit Zuversicht und Vertrauen nach vorne schauen, den Tag genießen, im Hier und Jetzt leben und nicht alles auf später verschieben. Ohne blauäugig zu sein, aber mit Mut und Optimismus. Das Leben ist jetzt – macht euch eine gute Zeit.
Wann hast du die Diagnose Parkinson bekommen, was war dein erster Gedanke?
Ich lebe seit 2021 mit der Diagnose. Als ich die Diagnose bekam, war mein erster Gedanke: Jetzt hat es einen Namen – Parkinson. Es war ein Schock, aber auch eine Bestätigung. Ich habe geweint, die Tränen abgewischt und dann gedacht: Jetzt geht’s los. Jetzt weißt du, womit du es zu tun hast, und jetzt packen wir es an.
Bis zur Diagnose war es ein langer Weg. Fünf Jahre lang hatte ich starke Einschränkungen und viele Untersuchungen mit unterschiedlichen Verdachtsdiagnosen. Erst als eine Dopamin-Therapie sehr gut anschlug, wurde klar, in welche Richtung es geht. Nach weiteren Untersuchungen und einem DAT-Scan war die Diagnose schließlich eindeutig.
Rückblickend war die Diagnose für mich nicht nur ein Schock, sondern auch ein „Jetzt erst recht“. Statt mich von Sorgen bestimmen zu lassen, wollte ich die Zeit bewusst nutzen, schöne Momente sammeln und das Leben genießen.
Wie hast du, wie haben deine Familie, Freunde, Bekannte auf die Diagnose reagiert?
Die Reaktionen auf meine Diagnose waren sehr unterschiedlich. Für viele war Parkinson zunächst ein Schock, weil die meisten sofort ein bestimmtes Bild im Kopf haben. Gleichzeitig waren meine Familie und Freunde natürlich betroffen.
Meine Mama leidet bis heute mit mir, bewundert aber auch meinen Kampfgeist und mein Engagement. Mein Sohn ist mit der Krankheit aufgewachsen, stellt Fragen, ist sehr aufmerksam und wir sprechen offen darüber. Das hilft uns sehr.
Besonders dankbar bin ich für meinen engen Freundeskreis. Diese Menschen begleiten mich seit Jahren, sind in schweren Zeiten da und unterstützen mich immer wieder. Das bedeutet mir unglaublich viel.
Es gab aber auch Beziehungen, die an der Krankheit gescheitert sind. Mein Mann und ich wollten die Herausforderung gemeinsam meistern, doch letztlich hat uns die Situation überfordert und zur Trennung geführt.
Was viele schwer verstehen, ist, dass Parkinson oft nicht sichtbar ist. An guten Tagen wirkt man völlig gesund, an schlechten Tagen kann schon der Alltag zur Herausforderung werden. Genau deshalb sind Offenheit und Aufklärung für mich so wichtig.
Ich ermutige die Menschen, Fragen zu stellen und keine Berührungsängste zu haben. Nur so entsteht Verständnis.
Was sind deine Powertools und -techniken gegen die Launen der Krankheit?
Mein größter Antrieb ist mein Sohn. Ich möchte ihm zeigen, dass man auch mit einer Erkrankung oder sonstigen Herausforderungen sein Leben gut leben und meistern kann. Ich möchte möglichst lange fit bleiben, um zu sehen, wie er erwachsen wird. Mein großer Wunsch ist, mit ihm auf seiner Hochzeit zu tanzen.
Meine wichtigsten Powertools sind eine positive Einstellung und die Entscheidung, mich von Parkinson nicht unterkriegen zu lassen. Natürlich gibt es schwierige Phasen, aber im Großen und Ganzen versuche ich, die Krankheit anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Mein Motto ist eher: Das Leben ist jetzt.
Ein weiterer Schlüssel ist Bewegung. Sport gibt mir Kraft, Lebensfreude und das Gefühl, selbst etwas tun zu können. Besonders schön ist es, diese Begeisterung mit anderen zu teilen und Menschen zu motivieren, selbst aktiv zu werden.
Mindestens genauso wichtig sind die Menschen an meiner Seite: Familie, Freunde, Kollegen und mein Partner. Sie geben mir Halt, bauen mich auf und bremsen mich auch mal, wenn ich über meine Grenzen gehe.
Und dann sind da Dinge, die einfach guttun – wie Singen oder neue Hobbys. Sie schenken mir Freude, Lebensqualität und zeigen mir immer wieder, dass trotz Parkinson noch viele neue Türen aufgehen können.
Welche Rolle spielt Bewegung dabei, wie bleibst du aktiv?
Bewegung spielt für mich eine riesige Rolle – und das vor allem durch Tischtennis. Es ist viel mehr als nur Sport. Natürlich hält mich die Bewegung körperlich fit, aber genauso wichtig ist das Miteinander. Man kommt raus, trifft Menschen und konzentriert sich auf das Spiel statt auf die Krankheit.
Beim Tischtennis bin ich ganz im Moment. Die Jagd nach dem Ball und den Punkten versetzt mich oft in einen richtigen Flow. Genau das liebe ich daran. Ich habe schon immer Ballsportarten gemocht, aber Tischtennis ist erst nach meiner Diagnose zu meiner großen Leidenschaft geworden.
Ich merke auch sofort, wenn ich mich weniger bewege: Dann werde ich träger und fühle mich nicht so gut. Umgekehrt gibt mir eine intensive Woche mit Training oder Turnieren unglaublich viel Energie, Lebensfreude und ein positives Körpergefühl. Bewegung ist für mich deshalb eines der wichtigsten Werkzeuge im Umgang mit Parkinson.
Was hast du durch Bewegung in Bezug auf Parkinson erreicht?
Durch die Bewegung habe ich nicht nur körperlich viel erreicht, sondern auch mental. Ich merke, dass ich beweglicher geworden bin und Dinge schaffe, die mir früher schwergefallen wären. Gleichzeitig lernt man ständig etwas Neues dazu und gewinnt Vertrauen in den eigenen Körper.
Besonders das Tischtennis hat mir gezeigt, dass trotz Parkinson noch Entwicklung und Erfolg möglich sind. Plötzlich konnte ich an Deutschen Meisterschaften und sogar Weltmeisterschaften teilnehmen – etwas, das ich mir vorher nie hätte vorstellen können.
Gerade weil durch die Krankheit manches schwieriger wird, ist es ein wunderbares Gefühl, in einem Bereich Fortschritte zu machen. Tischtennis hat mir nicht nur eine neue Leidenschaft geschenkt, sondern auch Selbstvertrauen, Lebensfreude und unglaublich viel Kraft.
Was empfiehlst du Bewegungsmuffeln mit Parkinson?
Ich weiß, wie schwer der erste Schritt sein kann. Wenn man Schmerzen hat, zittert, nicht gut sprechen kann oder Angst hat, sich zu blamieren, kostet es oft viel Überwindung, etwas Neues auszuprobieren. Trotzdem würde ich sagen: Traut euch und geht einfach hin.
Dabei geht es gar nicht darum, sofort sportlich oder erfolgreich zu sein. Es geht darum, in Bewegung zu kommen, Menschen zu treffen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Beim Tischtennis steht nicht die Krankheit im Mittelpunkt, sondern der Spaß am Spiel, die Bewegung und das Miteinander.
Besonders wertvoll ist die Community. Dort treffen Menschen aufeinander, die verstehen, wie es einem geht – oft ganz ohne viele Worte. Man merkt schnell: Ich bin nicht allein.
Gerade Frauen möchte ich ermutigen, es auszuprobieren. Viele denken, sie müssten schon Tischtennis spielen können oder besonders sportlich sein. Das stimmt nicht. Es geht um Freude, Bewegung und neue Begegnungen. Wettkampf kann später kommen, muss aber nicht.
Mein Rat ist deshalb: Holt euch ein Stück Lebensfreude zurück, seid mutig und probiert etwas Neues aus. Oft öffnen sich Türen, an die man vorher gar nicht gedacht hat. Für mich war Tischtennis genau so eine Tür.
