Rolfing bei Parkinson

Ebenso wie manche Erkrankungen – Parkinson ist dafür ein Beispiel – können Stress, einseitige Belastungen, eingeschliffene falsche Bewegungsmuster oder Verletzungen die natürlichen Bewegungsabläufe des Körpers aus dem Gleichgewicht bringen. Das macht besonders Berufsgruppen zu schaffen, deren Tätigkeit ausgesprochen anstrengende körperliche Aktivität erfordert: Tänzer zum Beispiel, aber auch Musiker, Schauspieler oder Sportler. Gegen diese Beeinträchtigungen hilft ebenso wie gegen neurologisch bedingte Störungen das „Rolfing“, eine gezielte Behandlung für das zähe Bindegewebe. Es richtet den Körper neu aus und fördert auf diese Weise Beweglichkeit und Ausdrucksvermögen.

Warum Rolfing bei Parkinson hilft?

Rolfing kommt bei Parkinson ein besonderer Stellenwert zu, da es explizit der Steifigkeit entgegenwirkt. Selbst Menschen, die sich viel bewegen, fühlen sich immer mal wieder steif, ungelenk und verspannt. Ursachen dafür können gleichförmige Belastungen, Fehlhaltungen oder fixierte Bewegungsmuster sein. Ist der Bewegungsapparat aber wie bei der Parkinson’schen Erkrankung erst einmal aus der Balance geraten, wirkt die Schwerkraft zusätzlich belastend auf Gelenke, Knochen und Organe. Um den Druck auszugleichen, reagiert der Körper mit Anpassung: Das innere Netz von zähem Bindegewebe („Faszien”) verhärtet sich und festigt die ungesunde Haltung. Die Gelenke verlieren an Beweglichkeit, die Muskeln verspannen sich, die Atmung wird flacher. Das stellt ein Problem dar – vor allem für jene, die beruflich oder in der Freizeit besonders intensiv körperlich aktiv sind. Wer viel tanzt, Theater spielt, musiziert oder Yoga praktiziert, kennt dieses Gefühl, gegen eine innere Spannung anzukämpfen – wenn etwa der Nacken sich versteift oder die Schultern nicht locker sind. Rolfing befreit den Körper aus diesem Korsett ein Stück weit.

Die Methode

Durch sanfte Impulse oder intensive Berührungen mit den Händen spürt der Therapeut innere Verhärtungen auf, löst Verklebungen und dehnt das Bindegewebe an Kopf, Rumpf, Rücken, Becken, Armen und Beinen. So ist es den Körpersegmenten möglich, in ihre natürliche Position zurückkehren Der Körper richtet sich in der Schwerkraft auf, wird beweglicher und elastischer. Gleichzeitig lernen die Patienten, Haltung und Bewegungen besser wahrzunehmen. Eine Rolfing-Behandlungseinheit insgesamt umfasst in der Regel zunächst zehn aufeinander aufbauende Sitzungen, die jeweils einem Thema gewidmet sind: zum Beispiel der Atmung, dem Bodenkontakt oder der Position des Kopfes. Beim Rolfing geht es weniger darum, akute Beschwerden zu lindern. Die Körperarbeit ist vielmehr ein Prozess, um Aufrichtung, Ausdrucksfähigkeit und Beweglichkeit zu fördern. Auf diese Weise lassen sich dann meist mittelfristig Beschwerden lindern oder auflösen.

Kosten

Auf Grund des fehlenden Wirknachweises werden die Kosten für Rolfing-Behandlungen von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland – ebenso wie von den Gebietskrankenkassen in Österreich – von seltenen Ausnahmen abgesehen nicht übernommen. Auch ist Rolfing nicht aufgeführt im sogenannten Hufeland-Verzeichnis; die dort gelisteten Naturheilverfahren werden zumeist von den privaten Krankenversicherungen mit Blick auf ihre Erstattungsfähigkeit anerkannt. In Österreich gewährleisten allerdings private Zusatzversicherungen einen Teil der Behandlungskosten. Und in der Schweiz ist Rolfing sogar durchweg als Körpertherapiemethode der Komplementärmedizin anerkannt sowie als natürliches Heilverfahren registriert. Hier übernehmen meist ebenfalls Zusatzversicherungen der Krankenkassen einen großen Teil der Behandlungskosten.

Weiterführende Informationen

Rolfing ist heute weltweit verbreitet und ein markenrechtlich geschützter Begriff. Er geht auf Dr. Ida Rolf zurück. Bereits in den 1950er Jahren entwickelte die amerikanische Biochemikerin diese Form der Körperarbeit, von ihr selbst noch „Strukturelle Integration“ genannt. Hierzulande gibt es derzeit rund 220 ausgebildete Rolferinnen und Rolfer.

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