Alltagsheldin August

Dr. Maren Neumann-Autkhun

Dr. Maren Neumann-Autkhun

„In der Begegnung und im Gespräch mit Menschen reift die Entscheidung, welchen Weg wir gehen wollen“

Unsere Alltagsheldin für den August lebt ihr Leben zwischen tiefer Hirnstimulation und Oldtimer Ralley als Künstlerin und EU-Botschafterin von Parkinson’s Art.

Ihre Augen leuchten freundlich und ihre Stimme ist leise und warm. Maren Neumann-Autkhun ist eher ein zurückhaltender Mensch. Ihre Haare sind noch raspelkurz von der kürzlich ausgeführten Operation, bei der ihr ein so genannter Hirnschrittmacher (THS) eingesetzt wurde. Maren ist überglücklich, denn es ist für sie ein Lebensgeschenk, dass sie ihr Leben wieder selbst bestimmend leben kann. Vor der OP war sie stark abhängig von der Fürsorge anderer. Nun fährt sie wieder selbst Auto, bewegt sich wieder unter Menschen, ohne zu stürzen. Jeder verschwendete Tag ist einer zu viel.

Aus Angst vor dem Unbekannten setzen wir uns großem Leid aus – warum? Diese Frage hat sich die Künstlerin schon oft gestellt und möchte deshalb Mut machen, den Weg der Entscheidung mit all seinen Ängsten nicht allein zu gehen. Maren bietet ihre Hilfe an und steht gerne als Ansprechpartnerin bereit. Für sie ist eines klar: Wir müssen dieses Geschenk einfach annehmen.

Maren freut sich auch in diesem Sinne sehr darüber, dass sie unter dem Label „Parkinson’s Art“ dieses Jahr im September endlich wieder an der FIFA-World-Ralleye in Bad Sossendorf mit ihrem Oldtimer an den Start gehen kann. Oldtimerrennen ist eine Leidenschaft von ihr, die sie die letzten Jahre vor der THS nicht ausleben konnte. Dieses Jahr geht’s nun wieder an den Start.

Mit Begeisterung engagiert sie sich auch als EU-Botschafterin bei dem Verein Parkinson’s Art für die internationale Vernetzung von Künstler:innen mit Parkinson. Maren bringt sie zusammen, teilt ihre Ideen mit ihnen und treibt gemeinsame Projekte voran. Hier verknüpft sie gerne das Nützliche mit der Aufklärung über Parkinson, die ihr sehr am Herzen liegt. Sie spricht die Menschen an, hört zu und bringt sie zusammen. Aus den Gesprächen heraus entwickeln sich oft neue Projektideen, die sich gemeinsam besser umsetzen lassen. Durch ihr empathisches Wesen erfährt sie dabei manchmal sehr intime Gedanken und hilft des Öfteren die „Knoten“ zu lösen. Der persönliche wie auch kreative Austausch mit den Menschen ist ihr immens wichtig. Unter dem Titel „VIVID Dreams“ findet beispielsweise dieses Jahr im August zum zweiten Mal eine Kunstaustellung von Künstler:innen mit Parkinson in London als Präsenz- und Onlineausstellung statt, an der sie sich beteiligt.

Maren hat zwei Ideen entwickelt, für die sie noch weitere kreative Köpfe sucht. Bei „Neuro-Art“ sollen sich bildnerisch von möglichst vielen Künstler:innen gestaltete Synapsen verbinden und ein weltweitumspannendes Neutron bilden. Das Ergebnis soll voraussichtlich auf dem Welt Parkinson Kongress 2023 in Barcelona gezeigt werden. Interessierte Künstler*Innen können die Vordrucke zur Gestaltung ihrer „Synapse“ hier herunterladen: Vordruck 1, Vordruck 2 und ein beispielhaftes Foto.
Das zweite Projekt „Brain-Art“ ist während der Auseinandersetzung mit der THS entstanden und zeigt uns mit verschiedenen Techniken gemalte Gehirne. Auch hier werden Mitstreiter*Innen gesucht, die sich auf diesem Weg mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Bedingt durch das Freezing haben ihre Werke oft eine eigenwillige Kunstform. Tatsächlich malt Maren in diesem Zustand am besten und arbeitet dabei ihre Symptome weg, indem sie alles um sich herum vergisst und sich so ein Kanal zu ihrem Unterbewusstsein öffnet, das sie im zeitlosen Raum schweben lässt. Auch hier möchte sie andere Betroffene anregen, in der Auseinandersetzung mit der Farbe und sich selbst den Ausdruck des eigenen Inneren zu finden.

Na dann, liebe Maren, ab nach Sossenheim an den Start – auf die Plätze – fertig – los!!! Wir drücken die Daumen.