Alltagsheld Oktober

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Ulrich Niemsch

Mit Parkinson kannst du lange leben, nur wie – das liegt allein in deiner Hand.

Uli Niemsch weiss wovon er spricht, denn er hat seit 25 Jahren Parkinson und ist bis heute agil geblieben. Was ihn antreibt, ist ein Cocktail aus Bewegung, Musik und sozialen Kontakten. Hier erklärt uns der langjährige Förderer der Hilde-Ulrichs Stiftung sein Rezept.

„Ich werde oft gefragt, wie ich es schaffe, nach so langer Zeit noch fit zu bleiben. Das A und O ist es doch, die Krankheit zu akzeptieren und mit ihr zu leben. Ich bin verwitwet und lebe allein in Berlin. Das heißt aber bei weitem nicht, dass ich einsam bin.

Solange es noch möglich war, bin ich durch die ganze Republik gefahren und war und bin noch in der Selbsthilfe aktiv. Ich habe mir ganz bewusst ein soziales Netz aus Nachbarn und Freunden aufgebaut, die einspringen, wenn ich mal Hilfe brauche. Und ich helfe natürlich auch ihnen, wo ich nur kann. Manchmal geht es hier bei mir Zuhause wie im Taubenschlag zu. Es wird viel gelacht, gekocht, diskutiert und getanzt. Ich besuche auch gerne die Oper.

Das Tanztheater „The Other me“, an dem ich vor drei Jahren mitgewirkt habe, war für mich ein Höhepunkt. Davon zehre ich heute immer noch. Ich bin über Monate fast wöchentlich nach Hamburg zu den Proben gereist und freue mich, wenn ich weiß, dass es „meinen Hamburger Frauen“ gut geht.

Ich sehe viele Leute, die sich zurückziehen, oder den Parkinson ignorieren. Das führt dazu, dass die Krankheit die Oberhand gewinnt und es diesen Menschen schlechter geht. Ich versuche ihnen Mut zu machen, und ihnen zu sagen, dass das Leben auch mit Parkinson lebenswert ist. Da bin ich doch das lebende Beispiel!“

Wir finden, dass Uli Niemsch mit seiner lebensbejahenden Einstellung den Titel Alltagsheld mehr als verdient hat.