Reflektorische Atemtherapie bei Parkinson

Die Atmung ist die einzige unwillkürliche Organfunktion, die wir selbst beeinflussen können. Dies für uns und unsere Gesundheit zu nutzen, lässt sich trainieren – bewusstes Atmen daher auch gezielt therapeutisch einsetzen. Die meisten Menschen nutzen im Alltag nur einen Bruchteil ihres Atemvolumens, das bei Gesunden mehr als sechs Liter beträgt. Wer zum Beispiel Stress hat, atmet flach und schnell. Und das kann auf Dauer negative Folgen für den Körper haben, zum Beispiel Bluthochdruck, Schmerzen und Verspannungen, Atemnot, Kraftlosigkeit, eine versagende Stimme, Konzentrationsstörungen.

Warum Atemtherapie bei Parkinson hilft?

Schmerzen und Verspannungen, Atemnot, Kraftlosigkeit, eine versagende Stimme, Konzentrationsstörungen – all das sind Beeinträchtigungen, die wohl jeder Parkinson-Patient kennt. Falsches Atmen kann diese Symptome verschlimmern, der Therapeut aber dieses Fehlverhalten erkennbar machen und für den Betroffenen sogar gewinnbringend ins Gegenteil verkehren. Eine Atemtherapie wirkt wie eine Massage und eine Sauerstoffdusche von innen: Die Zellen werden mit Sauerstoff versorgt und arbeiten besser, und die Lymphflüssigkeit wird durch die Atembewegungen angeregt. Auch sinkt zumeist der Blutdruck, der Stoffwechsel wird angekurbelt und das vegetative Nervensystem beruhigt.

Die Methode

In Gruppen- oder Einzelschulungen wird vermittelt, wie sich der Rhythmus des Atems lenken und Atemräume im Körper erspüren lassen. Mittels gezielter Übungen lernt der Körper zu entspannen, sodass Schmerzen in den Hintergrund treten, der Blutdruck sinkt, Kraft und Stimme kehren zurück. Wer bewusst atmet, wird aufmerksamer und fühlt sich besser. Bei der bewussten Atmung, die seit mehr als 3.000 Jahren ein zentraler Baustein der Gesundheitslehren aus dem Fernen Osten ist, wird durch die Nase geatmet und das Ausatmen betont: Es sollte doppelt so lange dauern wie das Einatmen. Der Atem fließt und sorgt so für Leichtigkeit in den Bewegungen, Klarheit der Gedanken und Ruhe im Alltag. Vielleicht noch mehr Impulse sich zu entfalten erhält der Atem durch die sehr sanfte Behandlungsform der „reflektorischen Atemtherapie“. Der Atem bleibt dabei weitgehend sich selbst übergelassen und lediglich gelenkt durch die Hände des Therapeuten. Vegetative Stresszustände lösen sich auf und der Patient erfährt tiefe Ruhe und inneres Wohlsein.

Kosten

Heidelberger Forscher haben im Tierversuch bestätigt, dass eine Atemtherapie die Gesundheit positiv beeinflussen kann. So verbessert den Ergebnissen zufolge die Nasenatmung auch bei Mäusen die Aufmerksamkeit und Gedächtnisprozesse. Es gibt eindeutige Hinweise, dass durch eine bewusste Veränderung der Atmung letztlich der gesamte Körper, der ja mit der Atmung verbunden ist, beeinflusst und harmonisiert wird. Mehr und mehr Kostenträger zeigen sich den Erkenntnissen aufgeschlossen, noch ist es jedoch eine Minderheit der Krankenkassen, die die Kosten der Therapie ganz oder teilweise übernehmen.

Weiterführende Informationen

Ein paar Atemtipps für den Alltag: Da sich bewusstes Atmen jederzeit aktivieren lässt, ist – bei Kenntnis geeigneter Techniken die Atemtherapie ein idealer Helfer, Beschwerden zu lindern und stressige Situationen zu meistern. Schon ein tiefes Seufzen hin und wieder sorgt für eine Komplettbelüftung der Lungen und kann spürbar beim Stressabbau helfen. Für emotionales Gleichgewicht sorgt das sogenannte Wechselatmen: Dabei wird ein Nasenloch während des Einatmens zugehalten, das andere während des Ausatmens. Jetzt heißt es: ruhig zu atmen und das Ganze einige Male zu wiederholen. Die bewusste Bauchatmung wiederum hilft bei großem Stress, zwischendurch zur Ruhe zu kommen: Dabei werden die Arme für fünf bis zehn Sekunden während des Einatmens im Sitzen seitlich nach oben geführt und mit dem sanften Ausatmen ganz langsam nach unten. Am Ende der Bewegung die Hände auf den Bauch legen und auf den nächsten Atemzug warten. Diese Übung füllt die Atemräume mit Luft und soll bei regelmäßiger Anwendung den Stoffwechsel unterstützen, das Herz entlasten und bei Schlafstörungen helfen.

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