Parkinson-Boxen

Von allen Behandler:innen im Rahmen der Parkinsontherapie wird Bewegung als extrem wichtiger Teil der Therapie empfohlen und angewendet. Es gibt inzwischen Hinweise darauf, dass intensives körperliches Training kombiniert mit koordinativen Aufgaben die Veränderungen in den Nervenzellen bremsen kann, die die Parkinsonkrankheit mit sich bringt.

Parkinson-Boxen ist ein spezielles Trainingsprogramm für Menschen mit Parkinson, das motorische Fähigkeiten, Gleichgewicht, Kraft und Lebensqualität verbessern soll. Es wird dabei nie gegen einen Partner geboxt, sondern in Form von Schattenboxen und Schlägen auf weiche Polster (sog. Pratzen) sowie am Boxsack trainiert. Dazu gehören spielerische und freudige Übungen, aber es ist auch möglich, sich richtig auszuagieren.

Warum Boxen bei Parkinson helfen kann?

Durch das Erlernen der vier Grundschläge und Kombinationen sowie des gleichzeitig stabilen und beweglichen Boxerstandes, durch Vorwärts-, Rückwärts- und Seitwärtsschritte und Richtungswechsel werden gezielt Koordination, Schnellkraft, Reaktionsfähigkeit und Kondition geschult – alles Fähigkeiten, die durch die Erkrankung typischerweise nachlassen. Das intensive Training wirkt sich positiv auf Gangbild und Balance aus und kann das Sturzrisiko senken. Auch das Herz-Kreislauf-System und die allgemeine körperliche Fitness profitieren von der Kombination aus Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining. Neben den körperlichen Effekten spielt aber vor allem die Gruppendynamik eine wichtige Rolle: Der gemeinsame Kampf gegen die Erkrankung motiviert, stärkt das Selbstbewusstsein und fördert den sozialen Austausch. Auch die mentale Gesundheit profitiert durch die Kombination aus körperlicher Anstrengung und Konzentration in diesem Rahmen. Manchmal wird dabei zusätzlich auch motivierende Musik verwendet. Eine Variante ist das Parkinson-Kickboxen, bei dem zusätzlich noch die Beine stärker eingesetzt werden.

Die Methode

Schlagtraining am Sandsack, Schattenboxen, Seilspringen, Liegestütz, Fitnessübungen: Die Trainings-Grundelemente, die die explizit für Parkinsonkranke angebotenen Box-Kurse und Box-Workshops vorhalten, entsprechen jenen, die auch andere Faustkämpfer zu absolvieren haben. Je mehr man dann in die Details der verschiedenen Übungspläne schaut, umso deutlicher zeigt sich deren Ausrichtung spezifisch an den Bedürfnissen der Erkrankten. Inzwischen finden sich ein Dutzend Übungsvarianten für die einzelnen Niveaus.

Kosten und weiterführende Informationen

Empfohlen wird das Training mit professioneller, medizinisch geschulter Anleitung, die individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt ist. Die Kosten dafür und für die Ausübung dieses Sports in seiner therapeutischen Version hat jeder selbst zu tragen. 

Bundesweit gibt es bereits zahlreiche Angebote bei Sport- und Boxvereinen, Kliniken oder Therapiepraxen, weitere befinden sich im Aufbau. Bisher gibt es kein zentrales Register, aber alle sind unter Angabe von „Parkinsonboxen“ und der Region im Netz zu finden. 

 
Quellen: 

Anmerkung: In dieser Leitlinie wird ab S. 509 auch von „Kampftraining“ gesprochen, aber nicht dezidiert vom Boxen. Als mindeste Dosis für eine wirksame Therapie werden 3x/Woche intensives Training dringend empfohlen. Da das im Rahmen der Physiotherapie meist nicht realistisch ist, sollten Betroffene in anderem Rahmen zusätzlich intensiv trainieren. 

 

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