Alltagsheld Oktober

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Gunnar Sahr

„Aufgeben ist keine Option.“

Er ist ein Typ. Unser Alltagsheld Oktober Gunnar Sahr, 49 Jahre alt, jung erkrankt und mit seinem Bart und Mütze vielen bekannt durch seine vertonten Texte und Gedichte, die von den verschiedenen Gesichtern seines Parkinsons handeln – mal schmerzlich, mal humorvoll, immer voller Gefühle, gibt er seinen Optimismus an andere weiter.

Seinen aufmerksamen Arbeitskollegen, verdankt der damals 29-jährige Projektbeauftragte einer Magdeburger Kaffeefirma, seine frühe Diagnose. Ihnen war eine Veränderung seiner Mimik und Gestik aufgefallen, so dass er mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Die Diagnose Parkinson, durch Dut-Scan untermauert, haut Gunnar um, bringt ihn ins Schwanken.

Voller Selbstzweifel und Fragen ans Leben, zieht er sich ins Haus seiner Eltern zurück und weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Dann bekommt er eines Tages Besuch von seinen Freunden, die gekommen sind, um ihn ins Leben zurückzuholen. „Gunnar, wir vermissen Dich. Wir haben uns über Deine Krankheit Parkinson informiert, Du stirbst nicht daran. Komm mit uns zurück nach Magdeburg.“ Den Moment, in dem er wusste, sein bester Freund hat es verstanden, beschreibt Gunnar im Band 2 des „Dopamin – das Buch“ unter dem Titel „Beste Freunde“ wie folgt:

“…Party!

Er: Willste schon los?

Ich: Nö!

Er: Warum winkste dann?

…und er zwinkert mir zu!“

Zurück in Magdeburg steigt er aus dem Berufsleben aus, richtet den Blick aktiv nach vorne, stellt sich seiner „WG mit Herrn Parkinson“, beginnt über seine Krankheit zu schreiben, zu dichten und aufzuklären. Vier Jahre jammt er jeden Abend in seinem eigenen Kunst-Kultur-Café auf der Bühne und „die Leute“ wollten ihn sehen. Doch Mr. Parkinson macht auf Dauer Stress bei dieser Art der Selbstständigkeit, so dass er das Cafe aufgeben muss.

Danach arbeitet er als Streetworker und kümmert sich um Jugendliche und Straßenkinder, die Drogen konsumieren und Gewalt erfahren haben. Mit den Jungs aus dem sozialen Brennpunkt geht er auf den Sportplatz und spielt mit ihnen Basket- und Fußball. Hier beginnt seine Trainer-Laufbahn. Er stellt aus den besten Spielern, die er in den Turnhallen betreut hat, eine Männermannschaft zusammen, die sofort zweimal aufsteigt und im Finale das Stadtpokal Magdeburg steht.
Für seine Jungs, denen er „keinen Scheiß erzählt hat”, war er mehr als ein Trainer. Er zeigte ihnen, wie man auf dem Platz miteinander umgeht, half ihnen Lehrstellen zu bekommen und genoss als Bezugsperson ihr uneingeschränktes Vertrauen.

In seiner Wahlheimat Magdeburg ist Gunnar bekannt „wie ein bunter Hund“. Die Menschen wissen um seinen ständigen Begleiter Mr. Parkinson, aber für sie steht Gunnar im Vordergrund, er ist einer von ihnen, der sich einsetzt und mit seinem Lebensstil Mut macht, ohne sich selbst zu verstecken.

Bis vor drei Jahren hat Gunnar noch selbst Fußball gespielt und als Stürmer 5 Tore geschossen. Und nun? „Aufgeben ist keine Option“, sagt unser Alltagsheld Oktober, dessen dunkle Sonnenbrille, seine ernsthaften leicht lachenden warmen Augen verdecken und wippt dabei im Takt eines Songs, der ihm gerade durch den Kopf zu gehen scheint

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