„Kick-Parkinson” – Kickboxen gegen Parkinson

Evaluation eines Kickbox-Trainings für Menschen mit Parkinson

Projekt-Eckdaten

Förderjahr:  2022

Träger: Parkinson-Tagesklinik des UKE Hamburg

Projektteam:


Inhalt:
 Es wird evaluiert, ob Kickboxen für Parkinson-Patienten eine Therapieoption ist, die Akzeptanz bei den Betroffenen findet und sowohl physische als auch psychische Beeinträchtigungen verbessert.

Fördermittel: 8.400 €

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Projekt Kickboxen gegen Parkinson - Teambild
vlnr: May Evers, Dr. Christian Jung (Hilde-Ulrichs-Stiftung)
Beate Schönwald, Kickboxtrainer Gunnar Strietzel

Hintergrund und Ziel der Studie

Zum Erhalt der Selbständigkeit und zur Förderung eines aktiven Lebensstiles spielen die nicht-medikamentösen Therapieansätze bei Parkinson eine bedeutende Rolle. Hierbei sind die Ansprüche an die Bewältigung des Alltags und somit auch die Therapieziele bei Parkinson Erkrankten sehr unterschiedlich. Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium ist die Lebensqualität bei Parkinson regelhaft durch Symptome gemindert, die kaum medikamentös behandelbar sind, wie Gleichgewichtsstörungen, Freezing oder Stürze. Hier werden aktivierende etablierte Verfahren, wie Physiotherapie oder Ergotherapie, aber auch neuere Konzepte, wie Yoga oder Tanzen, zunehmend therapeutisch eingesetzt und hinsichtlich des Nutzens wissenschaftlich untersucht. Diese Therapieverfahren sind jedoch nicht für alle Parkinson-Formen oder Aktivitätstypen gleichermaßen geeignet. Gerade jüngere Patienten, mit einem höheren Leistungsanspruch und Bedarf an ihre körperliche Fitness, sind oft nicht ausreichend mit den klassischen Verfahren behandelbar oder motivierbar. 

Eine interessante Erweiterung bietet deshalb das Kick-Boxen bei Parkinson. In den USA wird Kick-Boxen für Menschen mit Parkinson bereits in vielen Fitness- und Reha Einrichtungen angeboten. Die wissenschaftliche Evaluation dieser Programme erfolgte jedoch noch nicht im zufriedenstellenden Umfang. 

Ziel des Projekts „Kick-Parkinson“ ist zu evaluieren, ob Kickboxen für Parkinson-Patienten eine Therapieoption ist, die Akzeptanz bei den Betroffenen findet und sowohl physische als auch psychische Beeinträchtigungen verbessert. Da diese Beeinträchtigungen bei Patienten in unterschiedlichem Alter und Krankheitsschweregrad sehr differieren können, werden die Trainingseffekte eines Kick-Box Seminars bei drei verschiedenen Patienten-Gruppen untersucht. 

Dabei sollen alle drei Patientengruppen ein einheitliches Trainingsprogramm und standardisiertes Training absolvieren (qualitativer Aspekt), allerdings die Dynamik und Schwere der Übungen wird an die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Gruppe angepasst (quantitativer Aspekt). Der Fokus liegt in der Verbesserung gruppenspezifischer Alltagsanforderungen unter Berücksichtigung motorischer und nicht-motorischer Defizite und der Lebensqualität als relevantem globalen Outcome Parameter. 

Ablauf der Kickbox-Studie für Parkinson-Erkrankte

Das Konzept der PTK sieht vor, dass Patienten standardmäßig an 5 Tagen innerhalb der 3 Wochen (1. Woche: Mo und Do, 2. Woche: Mi, 3. Woche: Di und Fr.) Therapie erhalten. Entsprechend findet das Kick-Boxtraining während des Aufenthalts in der PTK in fünf Trainingseinheiten statt. Die Patienten werden ermuntert, das Training im ambulanten Bereich fortzuführen, entweder in Eigenregie oder angeleitet bzw. begleitet (Physiotherapeut, Personal Trainer, Verein, videogestützt etc.) 

Die Auswirkungen des Trainings im Rahmen der PTK auf motorische- und nicht-motorische Symptome werden nach Abschluss der 3-wöchigen Behandlungsphase im Vergleich zum Zustand bei Aufnahme in die Tagesklinik untersucht. Langzeiteffekte des Trainingseffektes auf motorische und nicht-motorische Symptome sowie die Fortführung der Therapie durch die Patienten sollen 3 Monate nach Entlassung untersucht werden. 

Da die Beeinträchtigungen der Patienten in unterschiedlichem Alter und Krankheitsschweregrad sehr differieren können, werden die Trainingseffekte eines Kick-Box Seminars bei drei verschiedenen, unterschiedlich betroffenen Patienten-Gruppen untersucht.

Dabei sollen alle drei Patientengruppen ein einheitliches Trainingsprogramm und standardisiertes Training absolvieren (qualitativer Aspekt), allerdings wird die Dynamik und Schwere der Übungen an die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Gruppe angepasst (quantitativer Aspekt). Der Fokus liegt auf der Verbesserung gruppenspezifischer Alltagsanforderungen unter Berücksichtigung motorischer und nicht-motorischer Defizite und der Lebensqualität als relevantem globalen Outcome Parameter. Darüber hinaus soll beantwortet werden, wie Patienten das Angebot Kick-Boxen wahrnehmen und beurteilen und ob das Training geeignet ist, die Patienten zu motivieren, Kickboxen unter Anleitung im ambulanten Setting fortzuführen. 

Über die Parkinson-Tagesklinik

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde 2016 ein neuartiges Konzept einer Parkinson-Tagesklinik (PTK) entwickelt, etabliert und in Zusammenarbeit mit der deutschen Parkinson-Patientenvereinigung (DPV) zertifiziert.

Das Tagesklinikkonzept hat Modellcharakter für andere Kliniken und wurde in identischer oder ähnlicher Form inzwischen an den Universitätskliniken in Berlin, Kiel, Lübeck und Rostock etabliert. In der PTK werden nicht- medikamentöse aktivierende Therapieangebote für Menschen mit Parkinson als wichtiger Bestandteil der gesamten multiprofessionellen interdisziplinären Therapie angesehen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass viele der Patienten mit dem Angebot an Trainingsmöglichkeiten nicht ausreichend zufrieden sind. 

Die Erfahrungen und Ergebnisse mit und aus diesem Pilotprojekt sollen klären, ob Kick-Boxen in Zukunft als Verfahren im regulären Angebot der PTK etabliert werden sollte. 

Beate Schönwald
Beate Schönwald (Parkinson-Nurse an der PTK)